IMG 1028[1]avEin Rückblick, von unserem Mitglied Alfred Haupt.

Die Jahresfahrt der Heimatfreunde Weiler führte uns dieses Jahr zunächst ins Auto- und Technikmuseum nach Sinsheim und danach weiter nach Bad Wimpfen am Neckar. 

Pünktlich um 8 Uhr starteten wir wieder vom Dorfplatz in Weiler, erstaunlicherweise bei blauem Himmel und Sonnenschein, obwohl es tags zuvor regnerisch und trübe war und heftig regnete und die Pessimisten schon die Regenjacke und den Schirm bereit legten. Doch Petrus meinte es an diesem Tag besonders gut mit den Weilerer Heimatfreunden und ließ den ganzen Tag die Sonne scheinen. 

Wir fuhren in einem bequemen Reisebus der Fa. Vogt’s Reisen, mit einem netten Fahrer, der sich auf humorvolle Weise als Werner Scherschlik vorstellte und wenn man den Namen vergessen würde, sollte man nur an Schaschlik denken und schon hätte man ihn wieder.

Nach den einführenden Worten von Helmut Weiss und Dieter Weiß fuhren wir gespannt unserem ersten Ziel entgegen. Wie ich hörte ist Fred Sittek leider nicht mit gefahren weil er glaubte, der Bus sei überbucht worden und es für ihn keinen Platz mehr gäbe. Hier könnte man vielleicht bei der nächsten Fahrt das Anmeldeverfahren etwas ändern.

Am Rastplatz Hockenheim machten wir unsere Frühstückspause mit Weck, Worscht und Kaffee. Es fehlte nur noch der Woi, dann hätte man das klassische Pfälzer Frühstück gehabt. Gut gelaunt trafen wir wenig später im baden-württembergischen Sinsheim ein und konnten schon von weitem einige Flugzeuge sehen, die sehr naturgetreu ausgestellt sind, so als ob sie sich in der Luft befänden und gerade starteten oder landeten. Aus der Ferne entsteht der Eindruck, als ob man sich einem echten Flugplatz nähern würde. 

Das Auto- und Technik Museum wurde 1981 eröffnet. Es stellt auf einer Fläche von über 50.000 m² mehr als 3.000 Exponate aus, die ein Spiegelbild der rasanten technischen Entwicklungen sind. Das Spektrum der ausgestellten Objekte ist groß und reicht von Fahrrädern, Motorrädern, Autos, Traktoren, Militärfahrzeugen, … bis hin zu Flugzeugen, denen bei diesem Besuch mein besonders Interesse galt.

Das Bild zeigt links die british-französische Concorde und rechts die russische Tupolew Tu-144 auf dem Dach des Museums in Sinsheim. Beide Flugzeuge sind Überschallpassagiermaschinen und wurden im regulären Flugdienst eingesetzt, die Concorde von der Airfrance und British Airways und die Tu-144 von der Aeroflot. Die Tu-144 ist seit 2001 und die Concorde seit 2003 im Museum ausgestellt. Sinsheim ist derzeit der einzige Ort, an dem man beide Überschallpassagiermaschinen nebeneinender bewundern kann, die mit zu den Highlights des Museums gehören.

Beide Flugzeuge hatten eines gemeinsam, sie waren Treibstofffresser. So brauchte die Concorde für eine Flugstrecke von 7500 Km ca. 95 Tonnen Kerosin, die Tu-144 für 6500 Km nur ca. 70 Tonnen. Bezieht man den Verbrauch auf 1000 Km, so ergibt sich für die Tu-144 ein Wert von 10,8 t/1000 Km und für die Concorde 12,7 t/1000 Km. Obwohl die Tu-144 größer und schwerer war als die Concorde, brauchte sie weniger Treibstoff.  Die Tu-144 war nicht nur schneller, erreichte eine größere Flughöhe und war auch noch zwei Monate früher in der Luft als die Concorde.  Damit hatten die Russen diesen Wettlauf gewonnen. Allerdings warf man ihnen Industriespionage vor, was aber nie bewiesen wurde.

Sie waren aber auch die ersten, die die Maschinen wieder außer Betrieb nahmen. Technische Schwierigkeiten, zwei bekannte Abstürze und die Tatsache, dass der Betrieb der Tu-144 keine Gewinne erbrachte, sondern subventioniert werden mußte, zwangen die Russen dazu, die Maschinen 1978  außer Betrieb zu nehmen. Aber auch der Concorde war keine große Zukunft beschieden. Obwohl sie ständig an der Grenze der Unrentabilität balancierte, verzichteten die Fluggesellschaften zunächst nicht auf sie, schließlich war es ja ein Prestigeobjekt von Airfrance und British Airways. Auch bei ihr gab es technische Schwierigkeiten und einen Absturz, der allerdings durch Fremdeinwirkung verursacht wurde.

Am 25. Juli 2000 bereitete sich die Concorde Nr. 203 der Air France auf einen Flug zwischen Paris (Flughafen Charles de Gaulle) und New York vor.  Beim Start stieß das Fahrwerk der Maschine an einen 40 Zentimeter langen Metallstreifen, der sich von der Schubumkehranlage des Triebwerks einer DC-10 losgelöst hatte, die ein paar Minuten davor gestartet war. Beim Stoß durchbrach ein Bruchstück die Außenhaut eines Treibstofftanks, und ausfließendes Kerosin fing Feuer im Nachverbrennungsstrahl der Triebwerke. Der Versuch der Besatzung, den Aufstieg fortzusetzen, beizudrehen und auf dem in der Nähe gelegenen Flugplatz Le Bourget zu landen, misslang: Die Concorde stürzte ab und riss alle an Bord befindlichen 109 Menschen und weitere vier Personen auf dem Boden in den Tod. Eine böse Ironie des Schicksals: Der Absturzort der Concorde lag nur wenige Kilometer von dem Punkt entfernt, über dem 1973 die Tu-144 abgestürzt war.

Nach diesem Unglück und einer außergwöhnlich hohen Zahl von Pannen, bis hin zu Flugverboten, gingen die Passagierzahlen drastisch  zurück und der Betrieb der Concorde wurde sehr schnell unwirtschaftlich. 2003 wurden daraufhin auch alle Concorde-Maschinen außer Betrieb genommen. Doch der Traum von Überschall-Passagierflugzeugen wurde nie aufgegeben und wird weitergeträumt. In verschiedenen Staaten arbeitet heute wieder ein ganzes Heer von Physikern und Ingenieuren an neuen Entwicklungen von diesen, nicht notwendigen und völlig überflüssigen Fluggeräten. 

Als Beispiel mögen die nebenstehenden Bilder dienen. Das obere zeigt eine Entwicklung von Lockheed Martin und der NASA, das untere die XB-1 von Virgin Galactic.

Die nebenstehenden Bilder zeigen einen Blick in die Cockpits beider Flugzeuge. Sie zeigen auch eindrucksvoll den Unter-schied zwischen der modernen westlichen technischen Ausstattung und der dagegen etwas antiquiert wirkenden östlichen. Alles wirkt bei der TU144 schlichter und etwas altbacken. Beide Flugzeuge sind begehbar und man kann sie vom Heck bis zum Cockpit besichtigen. Da wegen der Enge im Inneren der Maschinen immer nur eine bestimmte Personenzahl zugelassen ist, bildeten sich Warteschlangen und erfordern bei der Besichtigung etwas Geduld.

Fotografieren im Inneren ist zwar möglich, führt aber wegen der Plexiglasverkleidungen und der ungünstigen Lichtverhältnisse zu keinen guten Ergebnissen. 

Uns war es etwas mulmig zumute als wir uns vorstellten in so einem Flugobjekt mit über 2000Km/h in 18Km Höhe von Paris nach New York zu fliegen. Man könnte auch sagen: geschossen zu werden.

Ein (zu) großer Bereich war den Militärfahrzeugen, Waffen und Kriegsmaterial gewidmet. Man hätte damit ein ganzes Kriegsmuseum ausstatten können. Die Ausstellungsobjekte wurden mit Nachbildungen von sauber gekleideten Soldaten, teilweise in schmucken Uniformen, bereichert und man bekam den Eindruck, dass der Soldatenberuf ein sauberes Handwerk sein muss. Nichts war zu sehen von Tod und Elend, von zerfetzten Körpern und der Grausamkeit des Krieges. Nur an einer Stelle wurde man daran erinnert. Es war ein abgeschossenes Flugzeug, ein Exemplar des Sturzkampfbombers Ju-87, das man unter der Leitung von Jürgen Hafner, einem ehemaligen ZDF Kollegen von mir aus der Messtechnik, bei St. Tropez aus 90m Tiefe geborgen hat. Der Bordfunker konnte rechtzeitig mit dem Fallschirm abspringen, der Pilot hat es nicht überlebt. Was geht wohl in einem Menschen vor, der sich das ansieht? 

 

Nachstehend noch zwei nichttechnische Bilder: 

Nach einigen Stunden war unsere Aufnahmefähigkeit stark abgesunken und man hatte das Bedürfnis nach einer ausgiebigen Pause im Museumsrestaurant und anschließend einem Rundgang durch den Außenbereich des Museums.

Die Weiterfahrt nach Bad Wimpfen dauerte nur etwa eine halbe Stunde und bei immer noch sonnigem Wetter freuten wir uns schon darauf, die Stadt kennen zu lernen und zu erkunden. Dank der kurzen, sachkundigen Einführung von Helmut Weiss, waren wir auch gut auf das Kommende vorbereitet. 

Bad Wimpfen hat eine wunderschöne geschichtsträchtige Altstadt mit vielen alten Gebäuden und den Resten der ehemaligen Kaiserpfalz, die heute das sogenannte Burgviertel bilden. Pfalzen dienten damals den durchreisenden Herrschern und ihrem großen Gefolge, als Unterkunft. Sie befanden sich meistens bei Bischofssitzen oder großen Klöstern und wurden so angelegt, dass man das nächs-te in einer Tagesreise zu Pferde erreichen konnte. Das erklärt auch, warum es im Reich über 350 Pfalzen gab von denen heute nur noch die größeren erhalten blieben. 

ArkadenSolche Besuche waren bei der Bevölkerung nicht gerne gesehen. Stellten sie doch eine erhebliche Belastung der Gemeinden und einheimischen Bauern dar, weil diese für die Dauer des Aufenthaltes für die Verpflegung aufkommen mussten.

Die Pfalz in Bad Wimpfen mit ihren ursprünglich drei Türmen (Bergfrieden) gilt als die größte staufische Anlage in Deutschland. Ihr Bau wurde von Friedrich I. (1152-1190), der wegen seines roten Bartes auch Barbarossa genannt wurde, begonnen und von seinem Nachfolger Friedrich II. (1212-1250) nach größeren Unterbrechungen weitergeführt. Eigentlich wurde sie nie ganz fertiggestellt, weil sie im Laufe der Geschichte immer wieder zerstört und später kaum noch genutzt wurde.

Vom Busparkplatz aus waren es nur wenige Minuten in die Altstadt. Bald waren wir, über das alte holprige Pflaster gehend, im höher gelegenen Burgviertel angelangt und konnten uns in Ruhe alles ansehen. Der blaue Turm war das erste was es zu erkunden galt. Seinen Namen hat er bekommen, weil das Dach mit Schieferplatten eingedeckt war, die bei blauem Himmel einen leichten Blauschimmer hatten.

Er existiert nicht mehr in seiner Originalversion, sondern wurde 1852 total umgebaut. Sein ursprünglicher Kopf aus relativ leichtem Fachwerk wurde in neugotischer Bauweise durch einen massiven, schweren Steinaufbau ersetzt. Das hatte zur Folge, dass im Unterbau Risse entstanden sind, die durch eine Umgurtung gesichert werden mussten. Der Turm trägt heute ein hässliches Korsett aus Holz und Stahl und ist nicht mehr schön anzusehen.

Ich konnte es nicht lassen hinaufzusteigen und mir alles von oben zu betrachten. Bevor ich jedoch ganz hinauf kam, wurde ich von der Türmerin aufgehalten und musste erst einmal 1,50€ berappen. Sie wohnt in einer Dienstwohnung mit 53 𝑚² Wohnfläche und hat eine herrliche Aussicht von dort oben über das Neckartal und den Kraichgau. Die Türmer hatten früher u. a. die wichtige Aufgabe ausbrechende Feuer rechtzeitig zu melden. 

Kurioserweise brannte es aber auch im blauen Turm dreimal. Heute ist die Türmerin eigentlich nur eine Art Kassiererin. Würde man die Kasse unten, am Eingang des Turmes, aufstellen, könnte ich mir vorstellen, dass deutlich weniger Besucher den mühsamen Aufstieg machten. Allein für die Besichtigung dieses Bauwerkes hätte ich mir mehr Zeit gewünscht, denn es gab viel zu sehen. So eilte ich auch noch die letzten Treppen hinauf und sah mir Bad Wimpfen von oben an. 

Im Turm waren viele Informationstafeln angebracht und einige Ausstellungsstücke zu sehen. Interessant war eine Seilwinde mit der man früher durch eine Luke im Boden die Gegenstände des täglichen Bedarfes hinauf gezogen hatte. Aber wie hatte man früher das Abwasser und die Fäkalien entsorgt? Heute wird die Wohnung selbstverständlich mit Strom- und Wasserleitungen versorgt und vermutlich ist auch ein DSL-Anschluss vorhanden. Auf dem Bild sieht man links die Abwasserleitung. Für den Weg nach unten brauchte ich deutlich mehr Zeit als nach oben, weil ich wegen der vielen Besucher ständig warten musste bis der Treppenabschnitt wieder frei war. Die Aufsteigenden haben Vorfahrt!

Weiter ging es, am Steinhaus vorbei, in dem die Wohnräume der hoheitlichen Damen untergebracht waren zum Palas und der daran anschließenden Pfalzkapelle. Im Palas, dem zentralen Gebäude der Pfalz, residierte der Kaiser. Vom Palas ist nur noch die Nord- und Ost Mauer erhalten. Er diente vor allem repräsentativen Zwecken. In der Nordwand sind die, noch gut erhaltenen, Arkadenfenster zu erkennen durch die man einen herrlichen Blick ins Neckartal hat. Die Pfalzkapelle, die heute ein kirchenhistorisches Museum beherbergt haben wir doch glatt übersehen.  

Im Roten Turm, dem zweiten Bergfried war die Wachstube für die Soldaten untergebracht. Auch seinen Namen erhielt er wegen seines Daches. Es war früher mit roten Dachziegeln gedeckt.

Der Eingang befindet sich auf der Nordseite in einer Höhe von 6,90 Metern. Man konnte ihn vom Wehrgang aus über eine Brücke oder vom Boden aus über eine Leiter erreichen. Vom Wehrgang aus haben wir Bernhard Feil gesehen wie er schön entspannt auf einer Bank saß und uns amüsiert zusah. Nun war auch bei uns der Punkt gekommen, an dem wir nicht mehr aufnahmefähig waren, genug gesehen hatten und auf weitere Besichtigungen verzichteten. Zum Romanischen Wohnhaus und Schwibbogentor, dem südlichen Durchgang in der Pfalzmauer sahen wir nur kurz hinüber. Auch der dritte Bergfried, von dem nur noch Reste vorhanden sind, interessierte uns nicht mehr.

Um sich alles genauer anzusehen, müsste man sich schon mehr Zeit nehmen und einige Tage bleiben. Gemeinsam gingen wir wieder, leichteren Schrittes bergab, durch die Altstadt zurück und trafen bald auf weitere Mitglieder unserer Reisegruppe die schon zum gemütlichen Teil der Reise übergegangen waren. 

Nach einer ausgiebigen Pause trafen wir alle wieder am Busparkplatz ein. Nach dem obligatorischen Abschlussfoto begann die Heimreise. Zum Schluss möchte ich mich noch bei unserem Fahrer Werner Scherschlik bedanken, der uns auch wieder sicher nach Weiler brachte und bei allen, die diese schöne Fahrt geplant, organisiert und betreut haben.