40 Jahre Gesellschaft der Heimatfreunde Weiler b. Bingen
von Adam Schmitt

„Erst die Fremde lehrt uns, was wir an Heimat besitzen“, schrieb der deutsche Schriftsteller Theodor Fontane. Diese Heimat zu erhalten, dieses Gut zu hüten und zu pflegen, hat sich eine Gruppe, die zu einem stolzen Verein gewachsen ist, zur Aufgabe gemacht.
Seit jetzt 40 Jahren gibt es die Gesellschaft der Heimatfreunde Weiler. Heimatfreunde, hier in Weiler und auch andernorts beweisen, dass aus Heimatliebe die Verpflichtung erwächst, oft Verkanntes vor dem Vergessen zu bewahren. Das Bild von der Heimat immer ansprechender zu machen, dieses kostbare Erbe zu erhalten und zu gestalten. Solange solche Männer und Frauen wirken, gibt es keinen Stillstand in der „Herzkammer der Heimatpflege“.
40 Jahre sind zwar kein echtes Jubiläum, aber ein wichtiger Markstein, der es gebietet Rückschau zu halten und mit berechtigtem Stolz Bilanz zu ziehen. Die nachfolgende Auflistung, die nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, soll das fruchtbare und vielfältige Wirken der Heimatfreunde aufzeigen.

Herbst 1973
Eine Gruppe um Otto Seifert, Hans Marquis und Alois Sturm findet sich, um eine Vereinigung zu bilden mit dem Ziel die Ortsgeschichte zu erforschen, das Bild der Heimatgemeinde zu pflegen, Volks- und Naturkunde zu vermitteln und für Jugend und Erwachsene eine sinnvolle Freizeitgestaltung anzubieten.

Sommer 1974
Ortsbürgermeister Schmitt stellt den Heimatfreunden einen Raum in der alten Schule zur Verfügung, der herausgeputzt wird. Ein erstes Domizil, in dem die Grundlage für die weitere Vereinsarbeit festgelegt wird. Erstmals wird der Aufgabenkatalog fest umschrieben: Orts- und Heimatforschung, Heimatkunde, Heimatpflege, Jugend- und Erwachsenenbildung, Basteln, Werken und künstlerisches Gestalten.

November 1974
12 Personen gründen „offiziell“ die Gesellschaft der Heimatfreunde. Der bislang lose Zusammenschluss erhält einen formalen Rahmen. Otto Seifert wird der 1. Vorsitzende.

10.-19. Mai 1975
Eine „Ausstellung Steine und Mineralien“ im Saal des Gasthauses „Zur Sonne“ findet Beachtung weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus. Ein imitierter Bergwerksstollen, versteinerte Blumen, Bergwerksausrüstung und Bergwerksmodell werden vorgestellt, Film- und Diavorführungen beeindrucken. Nach diesem Auftritt in der Öffentlichkeit erweitert sich der Mitglieder- und Fördererkreis.

Dezember 1975
Mit „Pflanzen der Heimat“ eröffnet Heinrich Bell eine Vortragsreihe, die großen Anklang findet.

15. Februar 1976
Ein Saal in der alten Schule wird den Heimatfreunden offiziell überlassen. Damit würdigt die Gemeinde, so Ortsbürgermeister Konrad Schmitt, das verdienstvolle und uneigennützige Schaffen der Heimatfreunde seit ihrem Heraustreten in die Öffentlichkeit.

März 1976
Eine mehrteilige Vortragsreihe beginnt „Weiler von der Steinzeit bis zur Gegenwart“.

20. März 1977
Nach Gründung des Schnitzkreises der Heimatfreunde unter Franz Kellermeier findet eine Ausstellung „Werken und Schnitzen aus Holz“ statt. In der Eröffnung der Ausstellung wird auch des plötzlich verstorbenen Vorsitzenden Otto Seifert gedacht.

18. Mai 1977
Peter Nielsen wird zum neuen Vorsitzenden der Heimatfreunde gewählt. Gleichzeitig werden die Ausarbeitung einer neuen Satzung und die Eintragung des Vereins ins Vereinsregister beschlossen.

25. September 1977
Gemeinde Weiler und Heimatfreunde veranstalten ein erstes Dorfgemeinschaftsfest im und am Feuerwehrgerätehaus. Aus der Hand von Ortsbürgermeister Konrad Schmitt erhalten verdiente Mitglieder der Heimatfreunde den neu geschaffenen Ehrenteller und die Ehrenmünze der Gemeinde. Der Erlös des Festes ist für die Finanzierung der geschnitzten Holzstämme.

14. April 1978
Die Heimatfreunde stellen den alten „Geleitstein“ wieder an der historischen Landesgrenze auf. (Unbekannte hatten ihn ausgegraben, vermutlich um ihn zu entwenden)

3./4. Juni 1978
Im Rahmen der Feier zum 950. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung der Gemeinde Weiler stellte der Schnitzclub Weiler, eine Abteilung der Heimatfreunde, seine Schnitzarbeiten aus.

Winter 1978/79
Vorträge des Ehrenbürgers Hermann Josef Stipp berichten über die Geschichte der
Gemeinde und finden ein derart großes Echo, dass die Reihe fortgesetzt, einige Vorträge
wiederholt werden müssen.

Januar 1979
Ewald Rittweiler wird zum ersten Vorsitzenden gewählt, nachdem Peter Nielsen wegen seines
Engagements für das Besucherbergwerk nicht mehr für das Amt zur Verfügung steht.

Februar 1979
Über 200 Nist- und Vogelschutzkästen werden in der Gemeinde und ihrer Gemarkung
ausgebracht.

Oktober 1979
Bei den Beschilderungsmaßnahmen des Walderholungsverbandes setzen die Heimatfreunde
„i-Tüpfelchen“ und bereichern das Streckennetz mit Wanderwegetafeln.

18. November 1979
Das nach einer Idee von Franz Kellermeier vom
Schnitzkreis geschaffene Friedenskreuz auf dem Weilerer
Friedhof wird eingeweiht.

30. November 1979
Der Schnitzkreis der Heimatfreunde ist zu einer Ausstellung
in Bingen eingeladen. Für die Gruppe und
ihren Leiter Franz Kellermeier ein überragender Erfolg.

Winter 1979/80
Vortragsabende und Schnitzkurse finden ein zahlenmäßig
großes Publikum. Blumenkästen werden gebastelt,
Hinweisschilder geschnitzt, Ruhebänke montiert.

November 1981
Das 100. Mitglied der Heimatfreunde
kann begrüßt werden.

27.-30. November 1981
Die Schnitzausstellung der Heimatfreunde im Kulturzentrum in Bingen findet großen
Zuspruch.

1. April 1983
Die 1. Ausgabe der „WEILERER HEIMATNACHRICHTEN“ wird herausgegeben.

8.- 15. April 1983
Mit einer „Weilerer Heimatwoche“ feiern die Heimat-freunde ihren 10. Geburtstag. Singen, Musizieren, Weinproben, Heimatvorträge und erstmals „Mundart“ finden begeisternde Aufnahme. Gründer und Mitglieder, die die Heimatfreunde seit den ersten Jahren ihres Bestehens unterstützen und fördern werden zu Ehren-mitgliedern ernannt: Hermann Josef Stipp, Jakob Eiger, Hans Weihrauch, Alois Sturm, Heinrich Bell, Hans Marquis und Wilhelm Menke.

2. Juli 1983
Heimatfreund Hermann Josef Stipp erhält den Literatur-preis der Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein für seine heimatkundliche Veröffentlichungen, insbeson-dere im Bereich seiner Heimatgemeinde Weiler.

9. Oktober 1983
Zweiter Weilerer Mundartabend im Rahmen des Erntedankfestes.

November 1983
Die Heimatfreunde übernehmen die Pflanzungen an der neu gebauten Anbindung der Mannesmannstraße / Stromberger Straße.

Sommer 1984
Die Naturschutzgruppe in der Gesellschaft der Heimatfreunde wird gegründet. Im Mai war eine erste Krötenrettungsaktion durchgeführt worden.

13. Oktober 1984
Im Rahmen des Erntedankfestes laden die Heimatfreunde zu einer Riesling-Weinprobe aus allen deutschen Weinanbaugebieten. Höhepunkt ist die Verkostung eines erstmals in Weiler gelesenen Eisweines aus dem Weingut Gregori.

Dezember 1984
Im Lochbrunnen wird ein Ersatzbiotop für gefährdete Kröten von der Naturschutzgruppe angelegt.

Juli 1985
Zum Schutz einheimischer Pflanzen und Gehölze werden erstmals Blumenwiesen angelegt, der Ortsteich an der Halle wird geschützt und in besondere Pflege genommen.

6. Dezember 1985
Die Gemeinde Weiler wird als Kreissieger im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ ausgezeichnet. Ein Ziel, das ohne die Heimatfreunde nicht erreicht worden wäre.

Winter 1985/86
Die Lichtbilderreihe „Bilder aus vergangener Zeit“ von Hermann Josef Stipp und Siegbert Habermann findet großen Anklang.

4.-27. März 1986
In den Räumen der Volksbank Bingen stellt der Schnitzkreis Weiler bei den Heimatfreunden sein Schaffen aus dem Winterhalbjahr öffentlich aus.

März 1986
Umfangreiche Eingrünungsarbeiten an der Rhein-Nahe-Halle und die Einbindung des Dorfteiches in die Gesamtanlage „Grünes Plätzchen“ werden mit einem besonderen Fest abgeschlossen.

Mai 1986
Heimatforscher Heinrich Bell verstirbt im 78. Lebensjahr. Er hat sich große Verdienste um die Erforschung der Altsteinzeit in der Heimatgemeinde aber auch der Gegend um Bingen erworben.

Frühjahr / Herbst 1986
Die Heimatfreunde tragen maßgeblich zu den Pflanzaktionen an der Freisportanlage, am „Grünen Plätzchen“ und entlang der neu ausgebauten L 214 ( Stromberger Straße) bei – eine „Mammut-Aktion“, bei der hunderte von Bäumen und Sträuchern gepflanzt werden. Innerorts werden Blumenkübel zur Dorfverschönerung aufgestellt.
Eine „Service-Mannschaft“ leistet in der Rhein-Nahe-Halle, insbesondere bei überregionalen Veranstaltungen z.B. den Jahrestagungen des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz, wertvolle Dienste.

Dezember 1986
Die Naturschutzgruppe trennt sich von den Heimatfreunden und bildet einen eigenständigen Verein.

Frühjahr 1987
Die von den Heimatfreunden umgebauten und neu gestalteten Diensträume des Ortsbürgermeisters im Rathaus werden übergeben. Sie finden große Zustimmung auch bei der Bürgerschaft.

30. Juli 1987
Ehrenmitglied Hermann Josef Stipp wird 70 Jahre alt. Sein Verdienst ist es, erstmals eine Chronik der Gemeinde Weiler zusammengetragen und mit Hilfe des MGV Liederkranz herausgegeben zu haben.

März 1988
Erstmals mit seinem Tonarchiv tritt Heinz-Josef Bell an die Öffentlichkeit, eine einzigartige Dokumentation dörflicher Geschichte.

Mai 1988
Die Heimatfreunde haben sich zur Aufgabe gemacht, die alte Friedhofskapelle zu renovieren und beginnen diese Maßnahme mit großem personellen Engagement und hohem Einsatz von Eigenmitteln.

Juni / September 1988
Die Heimatfreunde errichten auf dem Friedhof neue Wasserbecken, errichten eine Pergola und bepflanzen den Vorplatz der Friedhofshalle.

30. September - 3. Oktober 1988
Die Heimatfreunde feiern ihren 15. Geburtstag. Großen Anklang findet eine Ausstellung Weilerer Firmen, Handwerksbetriebe und Hobbykünstler. Eine Weinprobe mit edlen Rotweinerzeugnissen findet ein nachhaltiges Echo.

Sommer 1989
Ein geräumiges Gerätehaus wird auf dem Friedhofsgelände in massiver Bauweise errichtet, die begonnene Pergola erweitert.

Dezember 1989
Die neue Heimatkrippe in der Pfarrkirche wird von den Heimatfreunden „betreut“, sie bauen und gestalten, unter der fachlichen Leitung von Franz Kellermeier, diese Krippenanlage alljährlich mit immer neuen Szenen und Bildern.

Januar 1990
Für die gesamte Renovierung und Sanierung der alten Friedhofskapelle haben die Heimatfreunde in über 2 Jahren rund 12.000 DM Materialkosten getragen, dazu über 2.870 Arbeitsstunden nur für diese Maßnahme aufgewendet.

Frühjahr 1991
Nach Vorlage der Genehmigungsunterlagen wird mit dem Bau einer Werkstatt im alten Schulhof begonnen.

3. Mai 1992
Die neue Werkstatt mit Aufenthaltsraum im Hof des Rathauses wird eingeweiht, die Heimat-freunde haben endlich ein Domizil, um ihren Werkzeugbestand sachgemäß zu lagern

3. November 1992
Den Heimatfreunden Jakob Eiger und Ewald Rittweiler wird die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz verliehen.

1. März 1993
Der „Obergärtner der Gemeinde“ Heimatfreund Andreas Sturm wird 90. Jahre alt.

9. - 13. Juni 1993
Die Heimatfreunde feiern ihr 20-jähriges Bestehen. In der Weilerer Heimatwoche stehen ein Konzert des Musikkorps der Landespolizeikapelle Rheinland-Pfalz unter Leitung von PHK Hans Georg Conrad, ein Mal- und Fotowettbewerb für Kinder, die Ausstellung „Handwerkliches Schaffen und Hobbykunst“ und eine Weinprobe im Mittelpunkt. Von Heinz-Josef Bell erscheint ein Sonderdruck zur „Vor- und Frühgeschichte in Weiler“. Mit Zauberstunden und Klapptheater werden auch die „Jüngsten“ an die Aufgabenstellung der Heimatfreunde herangeführt.

Juli 1993
Bei der Fertigstellung des „Dribbelbrünnelche“ geben die Heimatfreunde fachlich und tatkräftig Hilfestellung